![]() 8 Jahre trocken
Wenn wir beide Seiten einer Sache sehen und daraus die Folgen ziehen, so wird unser Wirken lebendig; andernfalls gelangen wir an einen toten Punkt. Dogen Am 3. Oktober 2011 jährt es sich zum 8. Mal, mein DOS. Day of Sobriety, was eigentlich Tag der Nüchternheit heisst, aber wenn ich auch trocken war eine lange Zeit, nüchtern war ich eigentlich doch nicht. Alkoholismus ist eine Geisteskrankheit. Und mein Geist ist auch heute noch nicht richtig nüchtern; Spätfolgen des jahrelangen Alkoholmissbrauches. Jetzt, nach 8 Jahren scheint es für mich normal, nicht zu saufen, aber man soll Respekt haben vor der Geisteskrankheit Alkoholismus, in den Meeting der Anonymen Alkoholiker hat man schon oft von trockenen Trinkern gehört, dass sie aus irgendeiner blöden Situation heraus auch nach 20 Jahren noch rückfällig wurden. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese schon von Anfang an das Programm nicht verstanden haben. Alkoholiker war man sein ganzes Leben und Alkoholiker wird man immer bleiben. Es ist eine Sucht, die uns beherrscht, von den Hirnforschern noch nicht erkundet, woran es liegt. Wir müssen uns damit abfinden, dass es so ist. Es gibt noch keine Therapie oder Tabletten, womit man die Sucht wegbekommt. Das Einzige, was uns hilft ist ein achtsames Leben. Ich selbst kam nach langer Zeit des Forschens und Suchens in meinem Inneren zum Taoismus und zum Zen, 2 Philosophien, wo es hauptsächlich um Achtsamkeit geht. Wenn man eine Sache wirklich erkunden will, dann muss man zu den Quellen gehen. Achtsamkeit hätte ich gebraucht, immer dann, wenn ich mir geschworen hatte: "Ich saufe nicht mehr...." und abends standen da wieder die halbleere Kiste Bier und die leeren Jägermeisterflaschen. Und mein Durst war noch lange nicht gestillt. Heutzutage habe ich es gelernt, zwischendrin, während die Gedankenwolken durch mein Hirn (?) ziehen auch einmal STOP zu sagen und bewußt zu beobachte, wo meine Gedanken sich hinbewegen, was mich gerade umfangen hält. Wenn ich mir wieder einmal selbst Probleme schaffe. Ich habe für mich Techniken entwickelt, wie ich mit selbstgestrickten Problemen umgehen kann, wenn mein Kopf mal wieder übervoll ist. Und genau das war, es, wo ich früher saufen musste, wenn ich immer wieder versuchte, bestimmte Gedanken nicht zu denken, weil ich wusste, sie führen mich wieder hin zur Trinkhalle, wo ich meinen Stoff bekam. HEUTE weiss ich, dass ich diese Gedanken nicht bekämpfen muss, dass ich auch Gedanken aushalten kann, oder sie halt ziehen lassen kann. Eine Zeit dache ich gar noch, ich sei ja einfach nur zwangsgestört, das war ein guterGedanke: kein Säufer, sondern nur zwangaftig. Ich habe ich dann in Dortmund auch bei einer Neurologin angemeldet, die mir das attestieren sollte, dass ich nur Zwangsgestörter bin. Gut, ich ging, weil mir meine Exfrau das Messer auf die Brust gesetzt hatte und ich kleine Brötchen backen musste, zu den AA, aber eigentlich wollte ich nur zwangsgestört sein. Den Zahn hat mir Frau Doktor gezogen, sie meinte dass ich aufgeschwemmt sei, im Gesicht, weil ich bis vor 3 Tagen noch gesoffen hätte. Das machte ich immer so, wenn ich einen Termin hatte: 3 Tage vorher nichts mehr saufen, auch wegen der Fahne. Sie machte dann so einen Fragebogen-Test mit mir, wo alles (für meine Begriffe) darauf hinaus lief, dass es in meiner Kindheit/ Jugend sexuelle Problematik gäbe, und das war dann mein Grund, nicht mehr hinzugehen. Ich versuchte noch mal meine Zwangssymptomatik bei den AA zu teilen, worauf hin mich die Hartgesottenen in die Zange nahmen, und danach war ich wieder auf Jägermeister. Nein, halt, es gab einen Auslöser: Ein AA-Freund mit Rückfall war im Meeting, die Buddel noch in der Tasche, und er sollte im Meeting bleiben, wenn er die anderen nicht stören würde, was er allerdings dann doch gemacht hat; und dann war ich wieder an der Tanke. Aus vielerlei Erwägungen: Der Rückfall des anderen, weil ich noch nicht eingesehen habe, dass wir immer nur für uns alleine rückfällig werden, also ein Alibi. Dann hatte ich es selbst schonmal ein ganzes Jahr geschafft, alleine nichts mehr zu trinken, und aus einer blöden Situation heraus tat ich es dann doch wieder, aber zu dem Zeitpunkt mit dem nassen AA-Freund waren immer die anderen schuld. 8 Jahre Trockenheit, liebe Freundinnen und Freunde, das ist nur ein Genesungsprozeß, der jetzt so langsam Früchte trägt. Erst vor einem Vierteljahr kam ich darauf wegen meiner Bein- und Fußbeschwerden, die ich schon mein ganzes Leben habe, und wo ich in der letzten Zeit nur noch mit Schmerzmitteln leben konnte, zum Orthopäden zu gehen; jetzt habe ich orthopädisches Schuhwerk und laufe auf Wolken. Erst vor 3 Wochen kam ich darauf mich auf meine Feindseligkeit behandeln zu lassen, vorher wollten alle Menschen mir nur Böses und ich hatte keinerlei Akzeptanz. Ich war der Mittelpunkt des Universum und stets im Recht. 8Jahre sind wirklich keine lange Zeit. Es ist eine Abfolge von HEUTES in denen ich immer wieder trainiere zu leben. |
Feindseligkeit Das
war auf jeder Arbeitsstelle so: Im Großhandeln wollten mir die Kunden
Schlechtes, die dauernd mit ihren Reklamationen. Jetzt
zuletzt als Hausbetreuer, da waren die Mieter Drecksferkel, die den
Müllstand versaut haben, überall nur Feinde. Meine
vorherige Wohnung in Bramfeld, der Vermieter, ein Feind. In Berne
jetzt, 2 Wohnungen über uns, eine Familie mit Kindern, die natürlich
extra wegen mir nachts rumtrampeln, dass der Glastisch vibriert, jetzt
gerade auch. Oder wenn sie das Treppenhaus hinunterstürzen, die Kinder,
alles Feinde gegen meine Ruhe. Oder die Nachbarn, die das Treppenhaus
nicht wischen, Feinde.
Oder
mein Stiefsohn, der nicht aus dem Quark kommt, Erzfeind....hahahaha. Er
ist ein feiner Kerl, und ich liebe ihn. Leider sind da die 2 Seelen in
meiner Brust. Die feindliche und die gemütliche Stierseele, und ich
hatte dann vor 3 Wochen die Faxen dicke und habe mich im www schlau
gemacht, welche Medies es gibt. Ich nehme ja Mirtazapin
gegen die Depris. In der Kur hat man mir
Anafranil verordnet, was mich ganz schön runtergehauen hat.
Jetzt wollte ich etwas haben gegen meine schlechte Stimmung und fand
diese
Liste. Es ist ersichtlich, dass die sogenannten NaSSA zwar
sedieren, aber nicht für gute Stimmung geeignet sind; jetzt bekomme ich
auch noch Citalopram,
morgens 20mg für die Stimmung und abends Mirtazapin, 15mg, damit ich
schlafen kann, denn bei mir wirkt sich Citalopram so aus, dass ich
nachmittags müde werde, aber abends bin ich dann topfit und aktiv. Und
ich bin nicht mehr feindselig. Wenn jetzt die Horde die Treppe
runterfällt nehme ich es nur zur Kenntnis, und auch in anderen Dingen
bin ich lockerer geworden.
Und das
meinte ich, als ich davon sprach, dass jetzt nach 8 Jahren die Genesung
Früchte trägt, dass erst jetzt die Selbsterkenntnis Chancen hat, etwas,
noch viel mehr für mich selbst zu tun, damit auch mein Umfeld etwas
davon hat. Gerade
sehe ich, als ich den Link von Anafranil anklicke, dass dort etwas von
Citalopram steht, und ich hatte meinem Doc ausdrücklich gesagt, dass
ich alles nehmen würde ausser Anafranil, weil es aus einem nur einen
halben Menschen machen würde. Nun, aber es ist ja auch so: Als
feindseliger Mensch lese ich natürlich nur in den negativen
Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen, und jetzt, nach 3 Wochen
kommen für mich nur die positiven Aspekte in Betracht. Nämlich das
Aktive. In der
letzten Phase vor meinem Umbruch war ich so aggressiv und feindselig,
dass ich sogar meine Hunde angeschrien habe. Diese liebreizenden Wesen,
die selbst dann noch mit dem Schwänzchen wedeln, wenn ich mordlüstern
bin. Siehe auch:
Alkoholhilfe auf meiner Hauptseite